Psychologie | Zur Reform der Psychotherapieausbildung in Deutschland

Zum Status quo und der Entwicklung von Psychologie und Psychotherapie in Deutschland

Angesichts der rasch voranschreitenden Gesetzesreform zur Ausbildung von Psychotherapeut*innen in Deutschland und zahlreichen Anfragen von Studierenden zur gegenwärtigen Lage und zukünftigen Entwicklung von Psychologie und Psychotherapie möchte die Leitung des Departments für Psychologie der SFU Berlin zu folgenden Punkten Stellung nehmen:

1. Der vorliegende Gesetzentwurf sieht eine Akademisierung der psychotherapeutischen Ausbildung sowie eine finanzielle und berufsrechtliche Besserstellung von Psychotherapeut*innen in Ausbildung bzw. Weiterbildung vor. Das Department für Psychologie der SFU Berlin begrüßt diese Entwicklungen ausdrücklich, nicht zuletzt weil die aktuellen gesetzlichen Entwicklungen in Deutschland einer Idee folgen, welche an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien schon vor über fünfzehn Jahren erstmals ins Leben gerufen wurde und seit Wintersemester 2013 auch an der SFU Berlin in Form eines Studiums der Psychotherapiewissenschaften institutionalisiert ist.

2. Änderungen in Lehre und Forschung, Praxis und Schwerpunktsetzung folgen: Sowohl für das gesamte Feld der Psychotherapie als auch für die akademische Psychologie wird durch die Reform der gesetzlichen Rahmenbedingungen eine Vielzahl von Änderungen auf der Ebene der Lehre und Forschung, der beruflichen Praxis und der Schwerpunktsetzungen in der Ausbildung folgen. Das Ausmaß und die Richtung der notwendigen Änderungen an den Universitäten und Ausbildungsinstituten ist momentan noch nicht absehbar, im Besonderen da die Approbationsordnung, worin die Voraussetzungen zur Anerkennung als Psychotherapeut*in nach neuem Modell genau definiert sind, bis dato noch nicht festgelegt wurde.

3. Gültigkeit des bisherigen Modells: Nach §27 Absatz 2 des Referentenentwurfs ist der Abschluss der Ausbildung in Psychologischer Psychotherapie nach bisherigem Modell (6 Semester Bachelor, 4 Semester Master, daran anschließende Ausbildung an psychotherapeutischen Lehrinstituten) bis zum 1. September 2032 möglich. Diese Regelung gilt für alle Personen, die vor dem 1. September 2020 ein zur Ausbildung in der Psychotherapie qualifizierendes Studium begonnen oder abgeschlossen haben.

4. Bis einschließlich Sommersemester 2020: Für alle bis zum Sommersemester 2020 inskribierten Studierenden der Psychologie im Bachelor- und Masterstudium an der SFU Berlin bedeutet dies, dass sie wie bisher die Voraussetzungen zur Ausbildung in der Psychologischen Psychotherapie (wie sie gemäß §5 Abs. 2 des PsychThG formuliert sind) erfüllen und diese Ausbildung bis zum 1. September 2032 abschließen werden können.

5. Eine Neuausrichtung oder Anpassung der Curricula im Bachelor- und Masterstudium am Department für Psychologie der SFU Berlin wird momentan, wie auch an allen anderen Universitäten und Hochschulen in Deutschland, vorbereitet und nach der Veröffentlichung der Approbationsordnung zeitnah verlautbart. Die Flexibilität der Übergänge zwischen den an der SFU Berlin vorhandenen Studiengängen Psychologie und Psychotherapie soll in Zukunft erhöht werden, um den Studierenden aller Richtungen eine klare und transparente Planung ihres Studiums zu ermöglichen, insbesondere in den kommenden Jahren des Übergangs.

6. Theorie, Praxis und Selbsterfahrung: Seit dem Wintersemester 2013 vertritt das Department für Psychologie der SFU Berlin in der Lehre und Forschung eine Einheit von Theorie, Praxis und Selbsterfahrung. Eine wissenschaftlich fundierte, kritische und reflektierte Vorbereitung auf das Berufsleben angehender Psycholog*innen ist unser wichtigstes Anliegen und wird dies auch in Zukunft bleiben.