Stellungnahme | Referentenentwurf zur Reform der Psychotherapeutenausbildung

Dieser Referentenentwurf ist für Europa vorbildhaft

Die Sigmund Freud PrivatUniversität (SFU) ist eine nach österreichischem Recht akkreditierte europäische humanwissenschaftliche Privatuniversität. Seit 2004 bietet die SFU Wien das europaweit erste Vollstudium der Psychotherapie (an der Fakultät für Psychotherapiewissenschaft Bachelor/Master/Doktorat/Habilitation) und betreibt eine einschlägige internationale Psychotherapieausbildungsforschung unter Einbeziehung der Methodenvielfalt.

Psychotherapiewissenschaft an der SFU Berlin
Seit 2016 wird das Direktstudium der Psychotherapie in Forschung und Lehre auch am SFU Standort Berlin am Campus Tempelhof angeboten. Zugleich betreibt die SFU Berlin im Department für Psychotherapiewissenschft eine in Deutschland staatlich anerkannte Ausbildungsstätte für Psychotherapie gem. §6 PsychThG, akkreditiert durch das LAGeSo Berlin.

Die SFU Berlin begrüßt die Novellierung der Ausbildung in Form eines Direktstudiums
Die SFU Berlin begrüßt ausdrücklich das Vorhaben der Bundesregierung, die Novellierung der Ausbildung der bisherigen (psychologischen) Psychotherapeuten in Form einer Direktausbildung umzusetzen. Der Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit steht wegweisend, nachhaltig und paradigmatisch für die Entwicklungen des Faches zur eigenständigen akademischen Disziplin. Die Verankerung des Berufs des Psychotherapeuten sichert so den eindeutigen Status als akademischen Heilberuf und führt zur Justierung und Ausdifferenzierung der Kompetenzbereiche. Als Folge werden die gängigen Paradigmata in Ausbildung, Lehre und Psychotherapieforschung neu überdacht, neue Wege werden beschritten, um den hohen Anforderungen der Profession gerecht zu werden. Dieses Gesetz ist für Europa vorbildhaft. Für die deutsche Bevölkerung wird die einfache Berufsbezeichnung „Psychotherapeut*in“ eine Klarheit und bessere Verständlichkeit schaffen.

Die Zeit ist reif – Psychotherapie als Wissenschaft und Profession
Die Psychotherapie kann nicht mehr als Appendix, Paradisziplin oder Subfach von Psychologie oder Medizin in den akademischen und professionellen Fächerkanon eingeordnet werden. Die Zeit ist reif, methodisch und inhaltlich die Kontur der Psychotherapie als Wissenschaft und Profession im Zusammenhang einer Psychotherapiewissenschaft zu definieren und berufspolitische, aber v.a. inhaltliche und strukturelle Aspekte einzubinden. So entwickeln Psychotherapeut*innen der kommenden Generationen eine berufliche Erstidentität im Sinne des scientific practioners und erzielen erweiterte Kompetenzen und Professionalisierung für die ambulanten, stationären und präventiven Bereiche sowie Versorgungsstrukturen.

Der gelungene vorliegende Referentenentwurf ist insofern von herausragender Bedeutung, da eine Institutionalisierung auf universitärer Ebene geschaffen und ein gesamteuropäisches Professionsverständnis der Psychotherapeut*innen erreicht werden kann. Spezifiziert auf die Situation in Deutschland besteht die historische Chance, die Etablierung der Direktausbildung bzw. des Direktstudiums Psychotherapie(wissenschaft) für die Bereiche der Berufsausübung, der Weiterbildung und der Akademisierung des Faches nachhaltig für die nächsten Generationen zu verankern.

Deutschland an der Spitze der internationalen Psychotherapieentwicklung
Die Entwicklung eines eigenen Studiums der Psychotherapie fördert die Qualitätssicherung und stimuliert entsprechende Forschungsimpulse. Eine akademische Bachelor-/Master-Struktur ermöglicht zudem eine Art „Facharztausbildung“ postgradual.

Allerdings scheint flankierend dazu eine Notwendigkeit zu existieren, ein eigenes Psychologengesetz zu verabschieden: Nicht nur um die Psychologen über den verlorenen „Gebietsanspruch“ zu entschädigen. Viele Praxisfelder bedürfen einer adäquaten Regelung, beispielsweise in der Rechtspsychologie, Schulpsychologie, im Gutachterbereich, im Bereich Kindeswohl, Forensik, Klinische Psychologie, Abgrenzung zur Esoterik, Ethik in der Werbung.

Zum Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit