Gastprofessur an der SFU Berlin | José Brunner lehrt zu Trauma und Gesellschaft

José Brunner | Trauma und Gesellschaft – eine globale Moralgeschichte

José Brunner studierte Politologie an der Hebräischen Universität in Jerusalem und promovierte zur Freudschen Theorie am St. Antony‘s College der Oxford University (Brunners Studie liegt auf Deutsch vor unter dem Titel Psyche und Macht. Freud politisch lesen (Klett-Cotta 2001)). Danach verbrachte er ein Jahr als Postdoktorand an der Harvard University. Er war bis 2018 Full Professor an der Tel Aviv University, wo er sowohl an der Buchmann Fakultät für Rechtswissenschaften und am Cohn Institut für Wissenschaftsgeschichte und -philosophie unterrichtete. Letzteres leitete er seit 2015. An der Fakultät für Geisteswissenschaften leitete er auch das Eva & Marc Besen Institute for the Study of Historical Consciousness, wo er die Zeitschrift History & Memory herausgab. Zuvor war er Direktor des Minerva Instituts für deutsche Geschichte und 2011 gründete er an der rechtswissenschaftlichen Fakultät die erste Legal Clinic Israels, die die Rechte der Holocaust-Überlebenden vertritt. 2016-2018 war er zudem Senior Faculty Fellow am Edmond J. Safra Zentrum für Ethik der Universität Tel Aviv. Seit Mitte 2018 ist er Professor Emeritus.

Forschungsschwerpunkte
Brunner hat mehr als hundert wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht, die auf Englisch, Deutsch, Hebräisch, Spanisch, Griechisch und Japanisch erschienen sind, darunter zwei Monographien und 14 Sammelbände. Zu den Schwerpunkten seiner Forschung und Lehre gehören die Geschichte und Politik der Psychoanalyse, die Geschichte des Trauma-Diskurses, psychologische Theorien des Nationalsozialismus, das Verhältnis von Recht, Erinnerung und Identität, das Recht auf die Wahrheit, die Geschichte der Entschädigung für Holocaust-Überlebende in Deutschland und Israel, und verschiedene Themen im modernen und zeitgenössischen politischen Denken.

Schnittstelle von Psyche und Gesellschaft 
Trotz ihrer Vielfalt zeichnet sich Brunners Arbeit durch einen klaren Fokus aus: Ihr Blickpunkt ist auf die Schnittstelle von Psyche und Gesellschaft gerichtet, die er aus einer ihm eigenen multidisziplinären – zugleich historischen, juristischen und politischen – Perspektive unter die Lupe nimmt. Aus dieser vielschichtigen Sichtweise entstand sein 2014 bei Suhrkamp erschienener Band Die Politik des Traumas – Gewalterfahrungen und psychische Leid in den USA, in Deutschland und im Israel/Palästina-Konflikt. Die Studie basiert auf Brunners Adorno Vorlesungen an der Goethe Universität, wo er in den letzten Jahren wiederholt als Fellow am Exzellenzcluster “Formation normativer Ordnungen” zu Gast war und auch im Sommer 2018 als Mercator Fellow weilte. Zudem war er Gastprofessor an der Northwestern University, Evanston, an der McGill University, Montreal, an der Friedrich-Schiller Universität, Jena, und an der ETH in Zürich (seinem Geburtsort).

Lehrveranstaltung an der SFU Berlin
Brunner arbeitet nun an einer umfassenden Studie zur Geschichte des Traumas, in der er Thesen seines vorherigen Buches teilweise revidiert und teilweise erweitert. Im Rahmen seiner Gastprofessur an der SFU Berlin wird er in seiner Lehrveranstaltung: Trauma und Gesellschaft – eine globale Moralgeschichte seine neuen Erkenntnisse erstmals öffentlich darlegen.