Podcast: Freud heute. | Episode 3 mit Rektor Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Alfred Pritz

Podcast-Interview |  Zur Frage der Laienanalyse 1926 und das geplante deutsche Psychotherapeutengesetz

Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Alfred Pritz wird bei der Tagung „Freud heute. 80 Jahre nach Freud.“ am 28. September eine Rede „Zur Frage der Laienanalyse 1926 und das geplante deutsche Psychotherapeutengesetz“ halten. Das Institut für Medien und Digitaljournalismus der SFU Berlin begleitet die Tagung vorab mit einer Podcastreihe. Studiengangskoordinator Fabian Maier interviewt in Episode 3 den Rektor der SFU Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Alfred Pritz.

Hintergründe zum Vortrag
Das deutsche Parlament plant einen neuen Gesundheitsberuf für Psychotherapie. Sigmund Freud hat in seinem Artikel „Zur Frage der Laienanalyse“ für die Entstehung eines solchen Berufes plädiert. Es werden Parallelen gezogen zur Situation der psychischen Versorgung vor fast 100 Jahren und heute. Dabei wird deutlich, dass die Arbeit an psychotherapeutischen Verbesserungen von Generationen von Psychoanalytiker*innen und anderen Psychotherapeut*innen Früchte getragen hat und zu einer deutlichen Verbesserung der qualitativen wie der quantitativen Angebotsstruktur geführt hat, die schließlich in ein eigenes akademisches Berufsbild mündet.

Interviewpartner: Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Alfred Pritz, Rektor der SFU
Rektor Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Alfred Pritz gilt als einer der größten Wegbereiter für die Belange der Psychotherapie und den Psychotherapeut*innen. Ausgehend von den Entwicklungen in Österreich zur Professionalisierung bis hin zur Akademisierung der Psychotherapie, sein Leben und Wirken spiegelt ein großes Stück Professionsgeschichte und Zeitgeschehen wider. Alfred Pritz arbeitete als Psychotherapeut in Wien und New York und lehrte unter anderem an den Universität Wien, Klagenfurt und Lemberg (Ukraine). Er ist Rektor und Professor an der Sigmund Freud PrivatUniversität SFU Wien, Berlin, Paris, Mailand, Linz, Laibach und Präsident des World Council for Psychotherapy.

Interview vom 6. Mai 2019 mit Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Alfred Pritz und Fabian Maier

Maier: Zum 80. Todestag von Sigmund Freud bin ich jetzt im Gespräch mit Prof. Dr. Dr. Alfred Pritz, dem Rektor der SFU in Wien, Berlin, Ljubljana, Linz, Mailand und Paris. Er ist auch der Präsident des Weltverbandes für Psychotherapie. Schön, dass Sie da sind Herr Professor Pritz. Wir wollen ja über Sigmund Freud und seine Lehren 80 Jahre nach seinem Tod sprechen. Und da gibt es natürlich niemand besseren als Sie. Sie haben die Sigmund Freud PrivatUniversität gegründet und die Akademisierung der Psychotherapie maßgeblich vorangetrieben in den letzten 20 bis 30 Jahren und da ist ja einiges passiert und momentan auch in Deutschland viel im Gange. Aber sprechen wir doch vielleicht erst einmal über den Beginn, wie damals alles anfing.

Pritz: Sigmund Freud hat im Jahr 1926 einen Artikel publiziert namens „Zur Frage der Laienanalyse“. Damit war gemeint, dass man als Nichtarzt Psychoanalyse betreiben kann. Für uns heute schon ziemlich fremd. Denn selbstverständlich können ausgebildete Personen, egal ob jetzt Arzt oder nicht, Psychoanalytiker werden. In diesem Artikel schreibt er, dereinst wird die Psychoanalyse auch an der Universität unterrichtet werden und diese Frage hat die letzten fast 100 Jahre auf eine Antwort gewartet und tatsächlich ist es so, dass wir in der Wiener SFU im Jahr 2005 die Akkreditierung für ein akademisches Studium der Psychotherapie bekommen haben. Die Psychoanalyse ist dabei auch eine der Methoden, die gelehrt wird. Sie ist aber nicht die einzige und jetzt stimmt der Deutsche Bundestag zu aller Überraschung über das Psychotherapeutengesetz ab. Diese Woche, am 9. Mai ist die erste Lesung. Im Juni wird das dann endgültig gesetzt werden und damit ist die deutsche Gesetzgebung, die beste der Welt. Ja, man muss sagen, sie haben damals am österreichischen Psychotherapiegesetz gearbeitet. Da war schon viel drin aber man kann ja sagen, dass es jetzt zum größeren Abschluss mit dieser Gesetzesnovelle kommen wird. Österreich unterscheidet zum Beispiel zwischen Psychologie und Psychotherapie, aber hat die Akademisierung noch nicht im Gesetz verankert und die Deutschen haben jetzt beides. Es gibt ein klares Berufsbild. Ein akademisches Berufsbild des Psychotherapeuten und das Gesetz dazu und zwar, ein akademisches Studium an Universitäten, nicht an Fachhochschulen. Und damit sind die Deutschen, wenn man das so sagen möchte, Marktführer im Bereich der Psychotherapie und zwar nicht nur in Europa, sondern weltweit.

Maier: Man muss aber sagen, dass hat wahnsinnig lange gedauert. Die letzten zehn Jahre ist das immer wieder durch jede Regierung durchgegangen. Jede Regierung hatte sich das vorgenommen. So wie es aussieht, wird es jetzt endlich zum Abschluss kommen. Eine Nebeninformation: Heute ist der 6. Mai, der Tag an dem wir das Interview aufnehmen. Das ist der Geburtstag von Sigmund Freud. Passender könnte es ja nicht sein. Es gab heute auch noch andere Termine, wo Sie zu Besuch waren. Etwa eben im Bundestag. Glauben Sie, dass das jetzt alles auch so kommen wird?

Pritz: Es ist ja wirklich kurz vor dem Abschluss. Dass es kommt, ist klar. Ja, es könnte sein dass es noch einzelne Details gibt. Im Wesentlichen ist es aber klar: Es gibt eine Berufsdefinition der Psychotherapeuten. Es gibt einen Berufstitelschutz. Das ist sehr wichtig für Patienten. Jetzt wissen sie oft nicht Bescheid. Psychologischer Psychotherapeut oder ärztlicher Psychotherapeut für Kinder und Jugendliche, das kann man sich noch irgendwie vorstellen. Aber ab sofort ist klar geregelt: Wo Psychotherapeut drauf steht, ist auch Psychotherapeut drin.

Maier: Ein „Psychologischer Psychotherapeut“.

Pritz: Nur mehr ein Psychotherapeut. Das ist der neue Begriff. Viele haben den Zusatztitel Psychotherapie. Was damit passiert, ist noch offen. Aber wenn dann Therapeut draufsteht, weiß man, der hat den akademischen Titel oder die hat ein akademisches Studium abgeschlossen – einen Bachelor und den Master im Bereich der Psychotherapie. Da kann man sich dann auf eine gewisse Qualität verlassen.

Maier: Man muss wirklich sagen, es ist eine Art Revolution, die in dem Bereich passiert. Früher hat man Medizin studiert, hat einen Facharzt gemacht und ist dann Psychologischer Psychotherapeut geworden. Das wird heute auf die Sache ausgerichtet, eben auf das Studium der Psychotherapiewissenschaft. Im Anschluss noch an ein Institut gekoppelt. Mit vielen Stunden, die man auch im praktischen Bereich verbringen muss. Also es ist wirklich spannend, was da gerade im Gange ist und eigentlich auch längst überfällig. Die Österreicher haben es schon vorgemacht. Jetzt kommt es also auch hier an und da ist einiges an Gesprächen vorweggelaufen. Das heißt, da gab es auch gewisse Spannungen, die sich jetzt aber so langsam auflösen.

Pritz: Es gibt viele Berufe die sich um die Seele kümmern, die sich dem Seelenleben annehmen. Das sind die Psychologen, die Theologen, die Psychotherapeuten, die Psychiater, die Esoteriker, die Heilpraktiker und so weiter. All jene beschäftigen sich mit den Themen seelisches Wohlbefinden, seelische Störung. Die große Mega-Debatte geht eigentlich um die Frage der Qualitätssicherung und dieses deutsche Gesetz setzt jetzt ein deutliches Signal für eine verbesserte Qualitätssicherung. Das ist das Gute.

Maier: Es gibt ja die große Tagung im September. Da werden wir alle schon ein bisschen schlauer sein. Das ist der Podcast, der dorthin führt. Mit vielen Fachleuten, eben aus der Sigmund Freud Universität. Sie werden bis dahin ihren Vortrag vorbereiten. Hoffentlich dann in Aussicht, dass alles so gekommen ist.

Pritz: Ja, ich werde natürlich dieses Gesetz analysieren und schauen, welche Handlungsanweisungen für die Zukunft in diesem Gesetz drin stecken. Eines muss man auch sagen, ein Gesetz ist immer so gut, wie man es dann in der Praxis anwendet. Und das ist die große Herausforderung für die Zukunft und die ist kein punktuelles Ereignis. Da muss man sich immer bewähren und natürlich braucht man Jahre bis sich bestimmte Linien herauskristallisieren.

Maier: Jetzt muss man ja sagen, dass viele Studenten, die auch in Wien bei ihnen Psychotherapiewissenschaft studiert haben, im Grunde genommen auch hier in Berlin schon voll approbiert sind. Bisher wurde das ganze schon umgesetzt im Kleinen. Jetzt kommt die große Lösung. Wie ist es denn eigentlich mit den anderen Standorten? Sie haben ja mehrere Niederlassungen, eben hier in Berlin, in Ljubljana, in Linz, in Mailand. Wie meinen Sie, geht das in Europa weiter mit der Psychotherapiewissenschaft?

Pritz: Es gibt zunehmend die Tendenz Psychotherapeutengesetze zu verabschieden. Unlängst im Vorjahr haben Malta und Kroatien jeweils Therapiegesetze verabschiedet, aber nicht so weitreichend, wie das deutsche Gesetz, welches das weitreichendste ist. Ich glaube, dass dieses Gesetz einen großen Einfluss haben wird auf die weitere Gesetzgebung in Europa. Das kann ich schwer hoffen, dass ein bisschen Strahlkraft davon ausgeht. Es wird voll an das Kassensystem angebunden und wirklich in die Krankenkassen implementiert.

Maier: Gut, dann sind wir doch froh, über diese Worte Herr Professor Pritz. Vielen Dank fürs Gespräch und dann natürlich mehr von Ihnen im September.

Pritz: Gerne. Danke und Wiedersehen.